danilolablog

unterwegs für öffentliche bibliotheken

gestank vs. wohlgeruch oder bibliotheken vs. internet

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sehen - wos stinkt

sehen - wo's stinkt

rasee takana gehört zur „ersten Generation Volljähriger, die sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen kann.“ zu der gehöre ich auch und trotzdem kann ich mit dem text, den resee takana im kölner stadtanzeiger veröffentlicht hat, nichts anfangen. auch wenn ich auf diesen im volltext zugreifen kann, ohne „zur Bücherei zu marschieren“.

die autorin erliegt dem blinden glauben, dass „man auch alles online viel schneller haben kann?“ und sich der beschwerliche weg in die bibliotheken generell erübrigt. neben dem bequemeren zugang (zum internet) spricht für die verfasserin der geruch gestank in bibliotheken gegen eine benutzung:

Und dann noch der Gestank. Schon als Kind fand ich diese dicken alten Schinken einfach nur eklig. Diese Leute, die mir ständig erzählen, wie toll der Geruch von 1000 Blatt Papier sei; wie sinnlich das Gefühl des Umblätterns von Papier im Gegensatz zum Internet-Scrollen – die gehen mir einfach auf den Keks. Waren die eigentlich noch nie in einer Parfümerie?

sicherlich kann es auch sein, dass rasee takana an dem tag, an dem die mitschüler_innen ihrer schulklasse während eines besuchs in der bibliothek die grundlagen der benutzung kennenlernen durften, nicht mit dabei war. und so stellt sie verzweifelt fest:

Verloren in der Bibliothek stehe ich da, umgeben von unzähligen Regalen, und suche vergeblich nach einem Buch. Es stehe im Regal SIMV IV, hieß es. Bitte ich um Hilfe, so erhalte ich Codes, die sich „gleich hinten, um die Ecke“ befinden sollen.

auch die bücher, die in der stinkigen bibliothek herumstehen bereiten rasee, als vertreter_in der internetgeneration, große probleme:

Während ich in der Bibliothek für meine Facharbeiten nur Wälzer mit fremdwort-gespickten Bandwurmsätzen finde, legt mir das Internet eine Auswahl verschiedener literarischer Genres vor, vom Interview bis zum Diskussions-Forum, in dem man Experten fragen kann.

nase zu und durch!

nase zu und durch!

versöhnt wird die autor_in erst, als sie

[a]m Ende der Regalschluchten […] auf einmal Licht [sieht]. Da steht ein Computer! Bücher hin oder her, am Ende lande ich doch wieder im Internet, sogar im Heiligtum des bedruckten Papiers. Warum denn nicht gleich!

scheinbar braucht es mehr und intensivere zusammenarbeit von bibliotheken mit allen bildungseinrichtungen und intensive  öffentliche kampagnen zu den angebote von bibliotheken gegenüber einiger (nicht)nutzer_innen. wäre rasee takana zum schreiben des textes in eine der kölner bibliotheken gegangen und wäre sie nicht nur den quellen ihrer internetrecherechen und ihrem antiquierten bibliotheksbild gefolgt, wie hätte dieser text dann ausgesehen?

2 Kommentare

  1. Pingback: Born digital: Book report auf “Tame the web” « the fabilous librarian…

  2. Bibliotheken sind toll, noch besser sind Buchhandlungen und am Besten sind Buch-Antiquariate, am Allerbesten jedoch sind die Bücher allgemein. Sie stinken genau so wenig wie Geld. Bücher verbreiten Wärme und riechen nach Holz. Wer dies als stinkend empfindet ist einfach nur weltfremd und womöglich auch noch Bibliophobiker. Zum Arbeiten ist der PC und das Web sehr erleichternd, für die Musse und die Belletristik wird das digitale Zeitalter nie mit dem Buch an sich konkurrieren können.

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