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göttliches tv – oder teufel, satan, beelzebub : die hölle internet

| 3 Kommentare

Throw Away Your Television by Roo Reynolds (flickr)

Throw Away Your Television by Roo Reynolds (flickr)

nach der gelungenen und lange fälligen fernsehschelte fand am freitag das angekündigte streitgespräch mit marcel reich-ranicki und thomas gottschalk zur lage des fernsehens statt. bezeichnender weise nahmen die intendant_innen der fernsehsender an diesem gespräch nicht teil und die welt online vergleicht dieses gespräch mit der muppet-show.

mir war harsche und grundlegende kritik von marcel reich-ranicki am schall- und rauchprogramm des fernsehens in diesem gespräch zu wenig differenziert und vor allem zu wenig fundiert. es reicht meiner meinung nach nicht, mehr mühe und mut beim erstellen des programms einzufordern oder gar bertolt brecht oder shakespeare als retter für das fernsehen aus dem grabe herbeizureden. es gibt genügend gute filmemacher_innen, die mit ihren beiträgen eine bereicherung für die alltägliche glotzendosis  sein dürften.

gut plaziert by withoutfield (flickr)

gut plaziert by withoutfield (flickr)

das massenmedium fernsehen befindet sich aber nicht nur wegen des häufig kaum auszuhaltenden programms in der krise. auch ich wende mich wie einige andere immer häufiger gelangweilt vom alten flimmerkasten ab. der fernsehen verliert die funktion des mediums nummer eins.

So seien lediglich 14 Prozent mit dem Inhalt unzufrieden. 62 Prozent störten sich aber an den festen Sendezeiten. Insgesamt wurden im Frühjahr dieses Jahres 1109 deutsche Internet-Benutzer befragt. (heise online)

in der studie jugendliche in konvergierenden medienwelten wird die mediennutzung und die allmähliche abwendung vom fernsehen untersucht und aufgezeigt, welchen stellenwert verschiedene medien für jugendliche haben.

Jugendliche, das zeigen die Ergebnisse, verlagern zunehmend ihre Nutzung massenmedialer Inhalte auf Computer und Internet. (S. 33)

sicherlich funktioniert diese hinwendung zum computer auch deshalb, weil fernsehsender einige ihrer sendungen online zur verfügung stellen. bei youtube viele mitschnitte zu finden sind und die p2p-netzwerke wichtige informationsquellen geworden sind.

auf diese entwicklung wird im gespräch nicht weiter eingegangen. thomas gottschalk stellt lediglich fest, dass die 17-jährigen anders fernsehen würden. und der absolute knüller des gesprächs war, als thomas gottschalk in der 25. minute ausrief:

wenn du über’s fernsehen weinst, dann musst du dich erschießen, wenn du ins internet guckst. da ist ja sozusagen der teufel los. ich wünsche dir, dass du nie einen internetpreis kriegst.

sich schämende fernseher by schockwellenreiter (flickr)

sich schämende fernseher by schockwellenreiter (flickr)

bei einem gespräch über das fernsehen und die qualität der programme mit dem finger auf eine komplexe struktur zu zeigen und auszurufen „dort ist es noch schlimmer“, ist peinlich, ärgerlich und verdeutlicht die notwendigkeit der kritik am inhalt des öffentlichen fernsehen. etwas mehr medienkompetenz hätte ich mir in dieser runde schon gewünscht und wenn schon die intendant_innen der fernsehsender fehlen, wäre die anwesenheit von menschen, die auch eine ahnung haben, dem thema dienlicher gewesen. spannende fragen gibt es genug.

  • was auswirkung hat der long tail für das fernsehen?
  • welche möglichkeiten bieten sich, nutzer_innen an den inhalten der sender zu beteiligen?
  • welche aufgabe hat das öffentliche fernsehen heute?

und – bloss gut, dass gottschalk nicht lehrer geworden ist, die können nicht einfach um- bzw. ausgeschaltet werden 😉 . und was würde der kritiker marcel reich-ranicki wohl zu diesem gelungenen beitrag des goldbärenwerbemeisters sagen? wo waren gleich noch mal die teufel los?

3 Kommentare

  1. ich habe mir das streitgepräch leider nicht ansehen könne. danke also für deinen eintrag. bei der passage mit dem internet blieb mir ein wenig die spucke weg. dann dachte ich, dass es mich auch nicht wundert, dass thomas gottschalk die nötige medienkompetenz vermissen lässt.
    hach ja, schade, dass nicht mehr draus geworden ist…

  2. @ marius
    das gespräch kannst du dir hier noch einmal ansehen: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/611184?inPopup=true
    ich hoffe, dass die debatte zur fernsehkritik noch einmal ins rollen kommt elke heidenreich und die blogger_innen, die zum thema medien schreiben, werden schon dafür sorgen 😉
    http://rivva.de/about/http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~EA50A2B4910F44DC29F45A3DEAAC66D70~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  3. Pingback: zdf war gestern - elke heidenreich liest jetzt im internet : lesen die 38. mit campino « danilolablog

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