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unterwegs für öffentliche bibliotheken

schätze zur berliner bibliotheksgeschichte im ffbiz gehoben – bibliothekar_innen sammelt euch selbst!

| 5 Kommentare

auf der suche nach füllmaterial (schnittbilder für meinen film) erhielt ich tatkräftige unterstützung durch prof. ursula nienhaus, der leiterin des ffbiz .

San Jose State Wahlquist / Library North (1942-2000) by san jose library (flickr)

San Jose State Wahlquist / Library North (1942-2000) by san jose library (flickr)

ich habe heute nachmittag ca. 50 bilder aus den anfängen der öffentlichen bibliotheken berlins gesichtet und einige für die vewendung in meinem film ausgewählt. die bilder stammen aus dem „fotoalbum meinicke“ und sie dokumentieren die bibliothekarische arbeitswelt in der berliner stadtbücherei charlottenurg um 1905.

meine freude über den fund verstärkte sich, als mir die hilfsbereite archivarin noch einige vhs-kassetten zur sichtung angeboten hat. diese kassetten enthalten interviews, die prof. frank heidtmann in den 1990er jahren mit berliner bibliothekar_innen (zb. geführt hatte. ich habe die interviews kurz eingesehen und bin schwer begeistert, dass diese wichtigen zeugnisse berliner bibliotheksgeschichte erhalten geblieben sind. ein unglaublicher schatz bibliothekarischer oral history. so habe ich z.b. gelernt, dass es in berlin bereits einmal für 10 jahre ein bibliotheksgesetz gegeben hat.

danke an frank heidtmann, der umsichtig diese bestände vor der vernichtung bewahrt hat. und ein dankeschön an ursula nienhaus, die diese und viele andere materialien des 1994 fusionierten instituts für bibliothekswissenschaft der fu berlin für die nachwelt im ffbiz aufbewahrt hat.

San Jose State Wahlquist / Library North (1942-2000) by san jose library (flickr)

San Jose State Wahlquist / Library North (1942-2000) by san jose library (flickr)

für studierende der bibliothekswissenschaft lassen sich sicherlich noch einige interessante materialien für ba- oder magister-bzw. masterarbeiten zur bibliotheksgeschichte und vor allem zur geschichte der berliner bibliothekswissenschaft im ffbiz entdecken. vielleicht finden sich ja ein- oder zwei geldgeber_innen, die durch ihre finanzierung ermöglichen, dieses videoprojekt weiter zu führen.

das heutige erlebnis ist aber nicht nur mit ausgelassener freude verbunden, sondern ich stelle mir erneut die frage, warum bibliotheken, die oft als kulturelles gedächtnis gedacht werden, sich und ihre geschichte so wenig sammelns- bzw. erhaltenswert finden. es fehlt ein museum oder archiv für bibliotheksgeschichte, in dem die geschichte einer so wichtigen einrichtung erlebbar und vor allem erinnerbar bleibt.

5 Kommentare

  1. Oh, das ist wirklich ein schöner Fund! Und eine gute Idee – ich habe schon sooo lange im Hinterkopf, irgendwann ein Bibliotheksmuseum zu gründen (hallo, edle SpenderInnen…). ALA-Häferl und Poster hab ich schon mal 😉

  2. @ library mistress
    eine bundesdeutsch-österreichische kooperation wäre das beste, was diesem bibliotheksmuseum passieren könnte. und dann ein oder besser gleich zwei ausgediente fahrende bibliotheken, die durch die landen mit sonderausstellung touren. erste themenvorschläge: nationalsozialismus und bücherverbrennung, zensur in bibliotheken und gender in bibliotheken 😉

  3. Unter dem Leuchtturm ist es oft am dunkelsten – statt beim Thema Open Access mit gutem Beispiel voran zu gehen, sind beispielsweise nur wenige Bibliotheks-Zeitschriften frei zugänglich und dass bei Bibliotheksveranstaltungen konsequent Vorträge in Repositories gesammelt werden, ist auch nicht die Regel. Beim Thema Bibliotheksgeschichte sehe ich es allerdings eher so, dass sich schon ausreichend damit beschäftigt wird und eher der Blick nach vorne fehlt . Dabei muss man die Vergangenheit vor allem deshalb kennen, um daraus die richtigen Lehren zu ziehen. So hat mich Silvia beispielsweise auf einige interessanten Diskussionen zum OPAC aus den 1990ern hingewiesen, an die im Rahmen der aktuellen 2.0-Diskussion aber selten angeknüpft wird.

  4. @ jakob

    dein bild, dass es unter dem leuchturm am dunkelsten ist, finde ich für das versäumnis bibliothekarische materialien zentral in einem museum/archiv zu sammeln sehr passend.
    ich teile deine einschätzung, dass sich mit bibliotheksgeschichte ausreichend beschäftigt wurde nicht. gerade in diesem bereich gilt es noch viele themen und forschungsfelder.

    bisher gibt es, meiner meinung nach, nur wenige ansätze, die sich aus diskursanalytischen, literaturwisssenschaftlichen und dekonstruktivistischen perspektiven oder mit berücksichtigung qualitativer methoden mit der jüngeren bibliotheksgeschichte beschäftigen. diese „neueren“ ansätze könnten auch zu neueren verständnissen von bibliotheksgeschichten führen.

    themen die auch für die heutige bibliothekspoltik wichtig sein könnten und auch einen bezug zur aktuellen situation haben, gibt es meiner meinung nach viele. z.b. wäre es sinnvoll sich die auswirkungen der veränderungen von leitmedien auf die bibliotheken genauer anzusehen.
    oder der frage nachzugehen, welche übereinstimmungen und differenzen es in einigen bibliothekarischen diskussionen gab z.b. beim vergleich der auseinandersetzung zur öffnung der bibliotheken durch den abbau der theken und magazinausleihe durch die freihandaufstellung und der aktuellen öffnung der kataloge durch die bibliothek 2.0.

  5. Pingback: mit dem bücherbus durch den spreewald - wer sammelt bibliothekarisches? « danilolablog

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