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„wir sind die elite, was nach uns kommt ist schiete“ – 160 millionen für eine neue stiftung, statt für bankrotte unis in berlin

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veränderung

das verstehe, wer will. aber mir ist diese finanz- und bildungspolitik des berliner senats und vor allem des wissenschaftssenators jürgen zöllner ein großes rätsel. in dem taz-artikel „die superuni geht stiften“ beschreibt martin kaul, die einrichtung einer forschungsstiftung für die berliner universitäten und außeruniversitären forschungseinrichtungen. die stiftung soll über 160 millionen euro verfügen und diese innerhalb der nächsten vier jahre an die berliner einrichtungen verteilen.

Das soll dazu führen, dass sich die Berliner Wissenschaftslandschaft jenseits der universitären Mauern stärker vernetzt – entweder auf Feldern, in denen einzelne Unis bereits exzellent sind, oder in besonderen Forschungsbereichen, mit denen die Unis bei der Exzellenzinitiative leer ausgegangen waren.

Ob unter dem neuen Label der Stiftung künftig die Avantgarde der Forschungsexzellenz firmieren oder ob sie zur Resterampe für im Exzellenzwettbewerb des Bundes gescheiterte Anträge wird, das dürfte sich ab Beginn 2009 zeigen: Dann soll die Strategiestiftung ihre Arbeit aufnehmen (kaul, martin: die superuni geht stiften. in. taz vom 10. juni, S. 21)

was ist darin nicht zu verstehen? zur gleichen zeit ächtzen die berliner universitäten noch unter den lücken, die durch die letzten kürzungsrunden entstanden sind. an der humboldt universität, so berichtet der referent_innenrat, von der letzten sitzung des akademischen senats, stehen im schlimmsten fall

wahrscheinlich notwendigen Kürzungen in Höhe von 27 Mio.€,

auf grund der gestiegenen personalkosten, vor der tür. diese angaben stammen von einer powerpoint-präsentation, die im akademischen senat vorgestellt wurde. leider finden sich keine angaben, wer diese präsentation erstellt hat. 😉 der referent_innenrat führt weiter aus:

Obwohl die Hochschulvertragsverhandlungen (darin wird festgelegt, wieviel Geld die Hochschule in den nächsten Jahren zur Verfügung hat) erst noch gefürht werden, hält der RefRat die Einschätzung, dass wir vor der nächsten Sparrunde stehen für sehr realistisch. Wir gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr eine Strukturplanungsdiskussion stattfinden wird. Stellenstreichungen im Ausmaß von 2003/04 sind nicht unwahrscheinlich. (Damals wurden ca. 70 Professuren und mehrere Hundert MitarbeiterInnenStellen gestrichen.) Dies würde das Aus für nicht wenige Fächer bedeuten!

zusammenfassung: auf einer seite sollen an förderungswürdige und „exzellente“ forschungsprojekte  gelder (160.000.000 €) durch eine neue stiftung zugewiesen bekommen und auf der anderen seite besteht die gefahr, dass an den berliner universitäten wieder fleißig gespart wird. und das ist nun wirklich nicht mehr zu verstehen – oder?

es findet dabei leider keine diskussion zur aktuellen lage an den universitäten statt, an denen:

  • überfüllte vorlesungen und seminare tagesordnung sind
  • forschung immer wichtiger wird als lehre
  • lehraufträge gering oder teilweise gar nicht mehr bezahlt werden
  • die wortgruppe „betreuung von studierenden“ nur noch in historischen dokumenten aufzufinden ist
  • an denen eine gleichberechtigte mitbestimmung aller statusgruppen lediglich ein traum bleibt
  • ökonomisierung und drittmittelwahn die unabhängigkeit der lehre und forschung gefährden
  • gravierende probleme zur studierbarkeit festgestellt wurden
  • sich unipräsidien als neue unhinterfragbare herrscher institutionalisieren
  • konzepte neuen lernens gelehrt, aber selten gelebt werden
  • nur ca. 15 % der professuren von frauen besetzt werden
  • … .

2 Kommentare

  1. das ist nur unter dem banner der elitären verwertungslogik zu verstehen. wenn ich doch nur raten dürfte wem diese 160…Mios zur verfügung gestellt würden… vielleicht ja bildungsfernen schichten. vielleicht auch nicht…

    hey, ho, lets go! into a bright elitist future! more money for people with more money. jipie!

  2. Ich frage mich ob es in Zukunft überhaupt noch Lehraufträge geben wird. Oder ob nicht PhD-Studenten das Unterrichten übernehmen.

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