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unterwegs für öffentliche bibliotheken

zahnlose bibliothek in niederkassel-ranzel – thekenbibliothek vs. computer

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biss 1

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als ich am 18.03. meine google-alerts zum thema bibliotheken durchsah, konnte ich meinen augen nicht glauben. im kölner stadtanzeiger berichtet ingrid bäumer von einer unglaublichen „öffentlichen“ bibliothek. die drei bibliothekar_innen dieser bibliothek scheinen von einer besonderen angst vor der technik und vor allem vor den weiten des internets geleitet zu sein, statt des üblichen onlinekatalogs oder des guten alten zettelkatalogs führen die bibliothekar_innen eine liste mit allen medien ihrer bibliothek, denn

Computer, finden sie, halten die Leute nur davon ab, in die Bibliothek zu gehen. Denn wenn sie beim Check im Internet feststellen, dass der gewünschte Titel nicht da ist, „dann bleiben sie gleich zu Hause“, befürchtet Loos-Brühl.

und da in niederkassel-ranzel vorbestellungen ebenfalls mit einem besuch der bibliothek verbunden sind, müssen die benutzer_innen die bibliothek aufsuchen, um eine bestellung aufzugeben. eine e-mail-adresse konnte ich auf der gut sortieren homepage nicht finden.

die politiker_innen der stadt niederkassel wurden von den expertisen der bibliothekar_innen scheinbar so weit beeinflusst, dass sie sich im rahmen einer ausschusssitzung gegen die anbindung an einen onlinekatalog entschieden:

Im Ergebnis bestand Einigkeit darüber, dass der Vorschlag auf Anbindung der Büchereien an das Internet nicht weiter verfolgt werden soll, da aller Voraussicht nach weder eine Attraktivitätssteigerung noch eine Verbesserung der Einnahmesituation zu erwarten ist. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war neben der Kostenfrage und dem zusätzlichen Arbeitsaufwand für die umfangreiche und zeitnahe Datenpflege vor allem der Hinweis der Büchereileiterinnen auf den nicht zu unterschätzenden sozialen Aspekt, der gerade bei kleineren Büchereien oftmals im Vordergrund steht. (Sitzungsprotokoll)

biss 2

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was? mit librarything kann ich diesen kleinen bestand auch ohne große kosten ins netz bringen. sicherlich kann ich damit kein bibliothekssstem ersetzen, aber ich kann so meinen bestand angemessen präsentieren und für die nutzer_innen durchsuchbar anbieten. aber dies würde ja zu einem einbruch der benutzer_innenzahlen führen, meinen die bibliothekar_innen und die entscheidenden politiker_innen. gerade kleine bibliotheken mit stark eingeschränkten öffnungszeiten (Dienstag 10.00 Uhr – 13.00 Uhr und 17.30 Uhr – 19.30 Uhr Donnerstag 15.00 Uhr – 18.00 Uhr) sollten den nutzer_innen ein onlineangebot einrichten, um ihnen eine weitere zugangsmöglichkeit zum mit steuermitteln finanzierten bestand zu garantieren.

die argumenation der „zahnlosen“ bibliotehekar_innen basiert auf der  konsequenten gegenüberstellung von sozialem treffpunkt und dem ach so gefährlich vereinsamenden internet, denn nur der persönliche kontakt an der ausleihtheke kann für die öffentliche bibliothek zum erfolg führen.

Die Erfahrung in den Büchereien der Stadt Niederkassel hat gezeigt, dass die derzeitigen Kunden die Büchereien sehr gerne persönlich besuchen, weil sie hier eine individuelle Betreuung erfahren und der persönliche Kontakt zwischen Büchereileiterin und Kunden sowie zwischen den Kunden untereinander doch nach wie vor einen hohen Stellenwert hat. (Sitzungsprotokoll)

biss 3

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das unglaubliche an diesem artikel ist, dass die bibliothekar_in darauf hinweist, dass nach einführung der edv in anderen bibliotheken die vorbestellungen von literatur zugenommen hat. sie führt an, dass literatur über monate hinweg ausgeliehen ist. und ausleihen gehören sicherlich nichtzu den aufgaben der bibliothek – oder?

Zum Beispiel „Bis(s) zum Ende der Nacht“, die Liebesromanze zwischen einem Vampir und einer Schülerin – bei jungen Mädchen der absolute Renner: „In Bonn gibt es darauf 58 Vorbestellungen“, hat Loos-Brühl in Erfahrung gebracht. Viel schneller gelangen Lesehungrige bei ihr an den Stoff: „Bei uns sind es nur drei Vorbestellungen.“ Warum? Weil man sich auch zum Bestellen höchstpersönlich in die Filiale bequemen muss.

biss 4

biss 4

ich habe, ganz ohne nach bonn fahren zu müssen mal einen blick in den opac der stadtbibliothek bonn geworfen und festgestellt, dass keine ausgabe des vampirischen buches 58 vorbestellungen aufweist. evtl. wurden hier alle vormerkungen zusammenaddiert?

hier noch ein tipp für die rückständigste bibliothek des landes: schließen sie die freihand und richten sie ein nicht zugängliches magazin ein, denn nur so ist ihnen der soziale kontakt mit den vielen nutzer_innen garantiert und sie können darüber hinaus bestimmen, wer was liest. den politiker_innen ihrer stadt wird dieser vorschlag gefallen, denn so lassen sich gleich die kosten für die räume einsparen.

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